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KI-Agenten · Souveräner Betrieb · Automatisierung

Vom Chatfenster zur Arbeit, die von selbst läuft

Mehr als die Hälfte der Unternehmen arbeitet mit KI. Nur ein Bruchteil verdient damit Geld. Ich zeige, woran das liegt, und baue die Agenten, die den Unterschied machen.

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Worum es geht

Zwischen Einsatz und Ertrag klafft eine Lücke

Nach einer Umfrage des ifo-Instituts arbeiten 54,4 Prozent der deutschen Unternehmen mit KI-Software, ein Jahr zuvor waren es knapp 41 Prozent. Dem steht ein nüchterner Befund gegenüber. Die MIT-Studie The GenAI Divide beziffert den Anteil der Projekte mit generativer KI ohne messbaren Geschäftswert auf 95 Prozent. Nur fünf Prozent erreichen den produktiven Regelbetrieb, bei Investitionen von 30 bis 40 Milliarden Dollar.

Den Abstand zwischen diesen fünf Prozent und der Mehrheit erklärt selten die Wahl des Modells. Er liegt davor und danach, also bei der Datenbasis, bei der Zurechnung eines Ergebnisses und bei der Übernahme in den täglichen Ablauf. Genau dort setze ich an.

54,4 %

der Unternehmen nutzen KI

Die Verbreitung wächst schnell, im Vorjahr lag der Anteil noch bei knapp 41 Prozent. Der Einstieg ist damit für die meisten erledigt.

5 %

erreichen den Regelbetrieb

Alle anderen Vorhaben bleiben im Versuchsstadium stecken oder liefern keinen Wert, den jemand nachrechnen kann.

halten ihre Daten für integriert

Im Data Readiness Index 2026 von Cloudera sehen knapp vier Fünftel der IT-Verantwortlichen ihre Vorhaben eingeschränkt, da der Zugriff auf alle nötigen Daten fehlt.

Kurz zum Autor

Ich schreibe über KI und betreibe sie selbst

Seit über dreißig Jahren arbeite ich als IT-Fachjournalist und Fachbuchautor, über hundert Bücher und mehrere tausend Artikel. Allein 2026 sind rund fünfzig Fachbeiträge zu KI entstanden, unter anderem für ComputerWeekly, iX, Security-Insider, BigData-Insider, DataCenter-Insider und die Communications of the ACM.

Parallel läuft im eigenen Betrieb eine Flotte von rund sechzig Agenten, die Buchhaltung, Postfach, Recherche und Überwachung übernimmt. Die Beispiele auf dieser Seite stammen aus diesem Betrieb und aus dem eigenen GPU-Lab, nicht aus Herstellerunterlagen.

Aus dem eigenen Betrieb

Neun Aufgaben, die hier täglich ohne Zutun laufen

Die Beispiele stammen aus der eigenen Agentenflotte. Jedes davon war vorher Handarbeit, jedes läuft heute nach festen Regeln und meldet sich nur, wenn eine Entscheidung ansteht.

Belege

Rechnungen finden sich selbst

Ein Agent durchsucht die Postfächer nach Belegen, benennt sie nach einem festen Schema und legt sie im Monatsordner ab. Fehlende Belege stehen am Monatsende auf einer Liste statt in einem Stapel.

Offene Posten

Unbezahltes fällt sofort auf

Gestellte Rechnungen werden gegen die Kontobewegungen gehalten. Bleibt eine länger offen, kommt eine Meldung mit Betrag, Datum und Kunde, nicht erst beim nächsten Blick in die Buchhaltung.

Zahlungseingänge

Teilzahlungen werden zugeordnet

Eingehende Zahlungen ordnet der Agent den erwarteten Beträgen zu, auch bei abweichendem Absender oder Teilbeträgen. Bei Zweifeln meldet er den Fall als unklar, statt zu raten.

Automatischer Statusbericht eines Agenten zu den Zahlungseingängen des Monats mit Soll, Eingang und Status je Einheit.
Der Agent gleicht die erwarteten Beträge täglich mit den Bankbewegungen ab. Teilzahlungen erscheinen als solche, fehlende Eingänge stehen mit Betrag und Einheit da, und die nächste Prüfung läuft am Folgetag ohne Zutun.
Monatsüberblick eines Agenten mit Umsatz, Liquidität, offenen Posten sowie einer Liste anstehender Fristen.
Dasselbe Prinzip für die Geschäftsführung: Kennzahlen und Fristen kommen aus Buchhaltung, Postfach und Kalender zusammen. Was erledigt ist, taucht nicht auf, offene Punkte tragen ihr Fälligkeitsdatum.
Fristen

Termine melden sich vorher

Steuertermine, Bescheide und Vertragsfristen werden aus Post und Kalender gezogen. Die Erinnerung nennt den Betrag, hängt das Dokument an und prüft vorher, ob schon gezahlt wurde.

Tagesstart

Der Morgen beginnt mit einer Liste

Aus mehreren Postfächern und Kalendern liegt vor Arbeitsbeginn ein Überblick über die Punkte des Tages bereit, die sich nicht verschieben lassen. Erledigtes taucht darin nicht auf.

Postfach

Der Posteingang sortiert sich

Automatische Bestätigungen wandern in den Papierkorb, eine Absage bekommt eine freundliche Antwort, alles Übrige landet zur Bearbeitung im richtigen Ordner. Bestandskunden bleiben ausgenommen.

Recherche

Material liegt morgens bereit

Über Nacht sammelt ein Agent Quellen, Volltexte und Videomitschriften zum Thema des nächsten Tages. Aus wenigen Fundstellen sind so dreizehn bis fünfzehn je Auftrag geworden.

Vorschläge

Themen kommen von allein

Je Fachgebiet beobachtet ein Agent die Lage und schlägt monatlich Themen vor. Bereits veröffentlichte Themen prüft er gegen die Website des Portals und lässt sie weg.

Aufsicht

Ein Agent bewacht die anderen

Bleibt eine Ausführung aus, meldet ein Wächter den Ausfall mit Ursache und Lösungsvorschlag. Genau diese Aufsicht fehlt in fast jedem KI-Vorhaben, und ohne sie verdient keine Automatisierung Vertrauen.

Schwerpunkte

Drei Fragen entscheiden über den Erfolg

Sie tauchen in jedem Projekt auf, unabhängig von Branche und Größe. Eine frühe Antwort erspart den teuren Umbau nach dem Pilotversuch.

01 · Wo läuft das Modell?

Betriebsort und Datenhoheit

Cloud-Schnittstelle, eigener GPU-Knoten oder Arbeitsplatzrechner. Die Antwort hängt am Schutzbedarf der Daten, nicht am Prospekt. Für regulierte Häuser ist der eigene Betrieb erstmals eine echte Alternative.

02 · Wer haftet für den Agenten?

Identität, Rechte und Angriffe

Ein Agent handelt im Auftrag eines Menschen und lebt oft nur Minuten. Ohne eigene Identität und begrenzte Rechte steht am Ende im Protokoll ein Mensch, der nichts getan hat.

03 · Was kostet der Betrieb?

Daten, Durchsatz und Rechnung

Den größten Posten verursacht selten das Modell. Teuer werden die Datenaufbereitung, der Speicher vor der GPU und Anfragen, die ein zu teures Modell bearbeitet.

Souveränität

Eigene Sprachmodelle sind rechenbar geworden

Das Angebot hat sich verschoben. Mistral Large 3 erscheint mit 675 Milliarden Parametern unter der freizügigen Apache-2.0-Lizenz, Modellfamilien von DeepSeek und Qwen stehen zum Herunterladen bereit. Bei Routinearbeit ist der Qualitätsabstand zu den geschlossenen Spitzenmodellen so weit geschrumpft, dass sich die Frage nach dem eigenen Betrieb neu stellt.

Die Auslegung beginnt beim Speicher. Ein Modell mit 70 Milliarden Parametern belegt bei 16 Bit Genauigkeit rund 140 Gigabyte. Rechnet man mit vier Bit je Parameter, sinkt der Bedarf auf 40 Gigabyte. Für Aufgaben wie Klassifizierung und Datenextraktion bleibt der Qualitätsverlust dabei klein.

Drei Personen stehen zwischen Serverschränken in einem Rechenzentrum und besprechen die Ausstattung.
Der Betriebsort entscheidet über Datenhoheit und Kosten. Eigener Knoten, europäischer Dienst oder souveräne Region eines großen Anbieters führen zu sehr unterschiedlichen Rechnungen.

Bandbreite schlägt Rechenleistung

Für jedes erzeugte Wort liest das System sämtliche aktiven Gewichte einmal aus dem Speicher. Ein 40-Gigabyte-Modell auf einer Maschine mit 800 Gigabyte pro Sekunde kommt damit rechnerisch auf 20 Wörter je Sekunde, gleich welche Rechenleistung das Datenblatt nennt. Beim Kauf zählt deshalb Bandbreite pro Euro.

Der Ausweichort braucht reservierte Technik

Ein Ersatzmodell nützt nichts, wenn am zweiten Ort keine Grafikkarte frei ist. Als Betriebsorte kommen ein verwalteter Dienst aus Europa, ein eigener Knoten im Rechenzentrum und eine europäisch betriebene Region eines großen Anbieters infrage, jeder mit anderer Kostenstruktur.

Die Software folgt der Last

Auf Arbeitsplätzen läuft llama.cpp, das auch ohne Grafikkarte arbeitet und unter Ollama steckt. Im Rechenzentrum übernimmt vLLM, das viele gleichzeitige Anfragen bündelt. Die Wahl entscheidet über Durchsatz und Antwortzeit, nicht über die Qualität.

Sicherheit

Ein Agent, der handeln darf, ist ein Angriffsziel

Prompt Injection nutzt eine Grundeigenschaft von Sprachmodellen und lässt sich nicht restlos beseitigen. Das Modell unterscheidet nicht zuverlässig zwischen einer Anweisung und einem Text, den es nur lesen soll. Eine untergeschobene Zeile in einem Dokument kann so zur Handlungsanweisung werden.

Wirksamer Schutz beruht auf gestaffelten Kontrollen an vier Stellen, also bei der Eingabe, im Modell, bei der Ausgabe und bei den Rechten. Die OWASP-Liste für LLM-Anwendungen und die Taxonomie des NIST beschreiben dieselbe Logik. Keine dieser Schichten genügt allein, gemeinsam senken sie Erfolgswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe.

Oberfläche einer modellgestützten Code-Analyse mit Datenfluss über mehrere Dateien und einer Liste gefundener Schwachstellen samt Bewertung.
Modellgestützte Code-Analyse arbeitet inzwischen in beide Richtungen. Sie findet Schwachstellen schneller als ein Angreifer sie ausnutzt, und sie versucht, jeden eigenen Fund zu widerlegen, bevor sie ihn meldet.

Warum klassische Benutzerkonten nicht passen

Ein Benutzerkonto wird angelegt und existiert jahrelang. Ein Agent startet, arbeitet zwei Minuten und verschwindet, und er borgt sich dabei die Rechte des Menschen, für den er tätig wird. Im Zielsystem steht danach eine Abfrage um 03:14 Uhr, die niemand ausgelöst hat.

Der übliche Notbehelf verschärft das Problem. Ein technisches Sammelkonto braucht die Summe aller Rechte, die irgendein Agent irgendwann benötigt, und ein Widerruf legt sämtliche Abläufe still.

Tragfähig bleibt der umgekehrte Weg. Jeder Agent weist seine Identität kryptografisch nach, die geborgten Rechte behalten ihre Zurechnung zum Auftraggeber, und ein einziger Punkt setzt diese Rechte durch.

Kosten

Nicht jede Anfrage braucht das teuerste Modell

Ein Modellrouter legt sich als Steuerungsschicht zwischen die Anwendung und mehrere Sprachmodelle. Er entscheidet je Anfrage nach Kosten, Antwortzeit, geforderter Qualität und Vertraulichkeit, welches Modell antwortet. Für Entscheider verschiebt sich damit die Leitfrage vom besten Modell zur passenden Kombination mehrerer Modelle.

Schaubild einer RAG-Architektur: Dokumente fließen in einen Datenpool, von dort über Indexierung, Vektor-Suche und Inferenz zur Antwort, flankiert von Governance und Audit.
Zwischen Datenpool und Antwort liegen Indexierung, Vektor-Suche und Inferenz. Jede dieser Stufen braucht Durchsatz, und Governance und Protokollierung laufen quer über alle mit.

Was die Steuerungsschicht leistet

Sie wählt das Modell, bestimmt Anbieter und Region, verteilt die Last und fängt Ausfälle ab. Eine vertrauliche Anfrage bleibt damit im eigenen Haus, während eine Zusammenfassung an ein günstiges Modell geht. Offene Bausteine wie LiteLLM lassen sich selbst betreiben, kommerzielle Dienste nehmen den Betrieb ab.

Der Engpass sitzt oft im Speicher

Die Speicherinfrastruktur bestimmt, wie schnell ein Modell im Betrieb antwortet. Drei Viertel der befragten IT-Verantwortlichen führen Einschränkungen der Infrastruktur an. Eine frühe Planung von Durchsatz zur GPU, Ablage des Zwischenspeichers und Verteilung über mehrere Speicherebenen erspart die teure Nachrüstung im Betrieb.

So gehen wir vor

In drei Schritten zum produktiven Betrieb

Thomas Joos erklärt zwei Personen an einem Bildschirm einen Arbeitsablauf.
Am Anfang steht kein Werkzeug, sondern der Ablauf. Erst wenn klar ist, welcher Schritt wie viel Zeit kostet, lohnt sich die Entscheidung über Automatisierung.
01

Analyse

Wir sehen uns die täglichen Abläufe an und suchen die Aufgaben, deren Automatisierung sich rechnet. Am Ende steht eine Liste mit Aufwand und erwartetem Nutzen je Aufgabe.

02

Aufbau

Ich baue die ersten Agenten samt Rechtemodell und Protokollierung, abgestimmt auf die vorhandenen Systeme. Riskante Schritte laufen zuerst als Entwurf zur Freigabe, nicht scharf.

03

Betrieb

Die Agenten laufen im Alltag und werden überwacht. Bleibt eine Ausführung aus oder ändert sich eine Schnittstelle, meldet das die Aufsicht, bevor jemand ein falsches Ergebnis verwendet.

Vertiefende Beiträge

Zum Weiterlesen aus meinen Fachbeiträgen

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